Transformative Architektur & Stadtentwicklung

Finanzamt Husum

Erweiterung und Neubau, Büro-, Verwaltungsbau

Der Erweiterungsneubau des Finanzamtes wird als 4-geschossiges kompaktes Volumen an der östlichen Grundstücksgrenze zur Kreuzung Dankwerthstraße/Herzog-Adolf-Straße erstellt. In dem Gebäude spiegeln sich die städtebaulichen Achsen wieder. Das Spiel von Perspektive und Proportion bildet die Grundlage für die Gestaltung des Volumens. Ein sensibler Umgang mit dem Bestand und die Stärkung des Ortes fördern diesen Grundtenor der Entwurfsidee. Dabei wird durch die besondere Gebäudeform und die Materialität die Verbindung zwischen Historie und Zukunft hergestellt. Dem alten Finanzamt wird ausreichend Raum gegeben und zugleich ein zeitgenössisches Pendant zur Seite gestellt. Die Giebel beider Gebäude haben die gleiche Ausrichtung und betonen so ihre Zugehörigkeit. Durch die Positionierung entlang der Ostgrenze des Grundstücks wird die städtebauliche Verbindung zur Südseite der Mühlenau hergestellt und die aufgelöste Stadtstruktur um den Kreisverkehr nachverdichtet.

Projektkosten 5,4 Mio €
BGF 2800 m2
Bearbeitungszeitraum 03/2017 – 08/2017
Leistungen

Offener 2 Phasiger Realisierungswettbewerb

Der kompakte Baukörper wird durch bewusste Einschnitte gegliedert, wodurch in Verbindung mit einem Funktionskern eine große Gebäudetiefe realisierbar wird. Das über den Baukörper geworfene Schrägdach steht durch unterschiedliche Traufhöhen im Dialog mit dem Bestand. Bewusst wird an einigen Stellen mit dem Dach und Fassadenmaterial auf die Umgebung eingegangen und das kompakte Volumen gegliedert. In der Form des Daches finden sich Zitate zum traditionellen Walmdach und modernen Giebelhäusern wieder. Zugleich bietet es durch die bewusste Symbiose von Form und Funktion die Möglichkeit der Integration von Technik unter und auf dem Dach ohne dabei die selbstverständliche Eleganz des Baukörpers zu stören.

Das Gebäude wird in Massivbauweise aus einem monolithischen Hintermauerwerk aus holzfasergefüllten Hochlochziegeln und einer geschlämmten Fassade aus recycelten Verblendmauerwerk erstellt. Das Dach wird mit einer Lattung aus behandeltem Lärchenholz, einer atmungsaktiven Membran und Zellulosedämmung in Holzfertigbauweise erstellt. Mit den ortsüblichen Materialien sowie der Lochfassade, die sich am Öffnungsanteil des historischen Pendants orientiert, wird ein starker Bezug zur umgebenden Bebauung hergestellt. Alle Materialien finden sich in der näheren Umgebung wieder. Die Positionen und Abmessungen der Fenster werden durch die möglichen Ausblicke und die Nutzung der Räumlichkeiten bestimmt. Die städtebaulichen Achsen setzen sich durch die Sichtbezüge im Innenraum fort.

Das Höhenniveau wurde bewusst gewählt, um die mögliche, attraktive Vorplatzsituation zur Herzog-Adolf-Straße heraus zu arbeiten. Von hier wird das Gebäude erschlossen. Die Lage des Haupteingangs orientiert sich an der Lage des Einganges am Altbau. Zugleich müssen durch die Höhenlage des Gebäudes keine großen Eingriffe in die Oberfläche des Geländes gemacht werden.

Im Erdgeschoss wird das Gebäude durch einen fließenden Erschließungsraum, der vom Wechsel zwischen Fluren und Begegnungsräumen lebt, geprägt. Im Zentrum dieser Zone liegt der Erschließungskern, der die Versorgungs- und Sanitärräume beinhaltet und zugleich die statische Säule des Gebäudes bildet. Aufgrund dieser Struktur ist der Bereich zwischen Kern und Außenwand auch für zukünftige Umnutzungen komplett flexibel gestaltbar.

Nach Süden zur Mühlenau sollen die gemeinschaftlich genutzten Räume und der Saal untergebracht werden. Diese werden an einen, lediglich dem Finanzamt zugeordneten, Außenbereich angeschlossen. Die Gebäudeform umschließt diesen Ort und schützt ihn vor Ost- und Westwetterlagen. Die Anbindung an den zweiten Bauabschnitt wird über die vorhandenen Flure hergestellt, ein weiteres Treppenhaus ohne Fahrstuhl sollte bei Errichtung des zweiten Bauabschnitts berücksichtigt werden. Bei der Gestaltung der Innen- und Außenräume wurde ein wesentliches Augenmerk auf Gemeinschafts- und Aufenthaltsbereiche innerhalb oder entlang der Erschließungszonen gelegt, wodurch das Wohlbefinden, die Kommunikation und der Austausch zwischen den Mitarbeitern gefördert werden soll. Die klare Materialwahl soll sich vom Außenraum in den Innenraum ziehen, um die Verknüpfung von Raum, Funktion und Konstruktion für alle erlebbar zu machen.

Landschaftlich soll das Gebäude in die Topographie eingearbeitet werden. Auch auf versiegelten Flächen wird über Grünzonen und hervorgehobene Elemente ein fließender Übergang von der Mühlenau zur Stadt hergestellt. Das Augenmerk der Gestaltung liegt in den natürlichen Formen, die einen Kontrast zu der klaren Architektur bilden. Die Bepflanzung orientiert sich an der geographischen Lage Husums zwischen Geest und Küste. Gräser und Vielstämmige, lichte Kleingehölze treten durch Ihre Leichtigkeit in den direkten Dialog mit der neuen Architektur. Einzelne solitäre Großbäume sollen bewusst gesetzt werden, um Bezug zu dem Grün in der näheren Umgebung herzustellen. Das Konzept geht bewusst auf den Baumbestand ein und ermöglicht den Erhalt einer großen Anzahl vorhandener Bäume.