Transformative Architektur & Stadtentwicklung

Theater Schleswig

Erweiterung und Neubau, Kultur-, Veranstaltungsgebäude

Der Entwurf des Kulturhauses auf der Freiheit folgt dem Leitbild eines Langhauses aus der Wikingerzeit. Sowohl in seiner Form als auch aus der Funktion und Erschließung stellt dieser Gebäudetyp eine enge Verbindung zum Standort des neuen Theaters dar.

Nordische Langhäuser bieten meist Raum für viele Familien und sind Zentrum für Kommunikation, Austausch und Kultur. Eines der größten Langhäuser wurde in Norwegen gefunden und hatte die Ausmaße von 9x83m. Die Häuser bestechen durch eine einfach Bauform und werden seitlich erschlossen. Im Zentrum des Hauses befindet sich ein großer Gemeinschaftsraum, die Mittelhalle, dahinter die Privaträume. Für die Klassifizierung als Langhaus ist eine bestimmte Organisationsform des Zusammenlebens und eine sich daraus ergebende Raumaufteilung entscheidend und nicht die Länge des Gebäudes. Langhäuser sind Holzbauten deren Außenwände aber auch durch Steinwälle oder schräg stehende Holzbalken stabilisiert wurden. Auch Grassoden wurden als Wandbekleidung oder Dachdeckung verwendet. Durch Karbonisierung der Holzoberflächen wurden die Hölzer vor Feuchte, Schädlingen und Pilzbefall geschützt.

Projektkosten 12 Mio €
BGF 4400 m2
Bearbeitungszeitraum 09/2019 – 11/2019
Leistungen

Hochbaulicher Realisierungswettbewerb

Umgang mit Bestand

Nach eingehender Prüfung der geforderten Nutzungsvarianten des Saales wurde sich gegen eine Aktivierung und Sanierung der Bestandsräume entschieden. Um eine möglichst nachhaltige Nutzung zu erzielen soll ein Saal mit flexibler Teleskoptribüne erstellt werden. So können in einer Kubatur alle Nutzungsvarianten abgebildet werden. Der Neubau wird hierzu auf den vorhandenen Kellergeschossen der zuvor abgebrochenen Bestandsgebäude aufgebaut. Das Kellergeschoss des aktuellen Saals und die Kegelbahn wird hierfür vom Außenraum ebenerdig erschlossen und schreibt die Topografie des Geländes im Innenraum fort. Der wohlüberlegte Umgang mit dem Bestand trägt den Gedanken der nachhaltigen Nutzung auch in der Bausubstanz weiter. Vorhandene Sanitär und Technikräume insbesondere Trafo, Hausanschluss und WC-Bereich bleiben in ihrer Position unverändert und müssen nur saniert werden.

Städtebau & Erschließung 

Städtebaulich orientiert sich der Neubau an der vorhandenen Bebauung und setzt diese in ihrer ehemaligen Position fort. Durch die Nutzung des Bestandssockels ist die Ausrichtung klar definiert. Die Bühne liegt im Norden, sodass Haupteingang, Foyer und Vorplatz der Topografie folgend auf verschiedenen Niveaus nach Südwesten einen direkten Bezug zu Schleswig und der Schlei herstellen. Die Freifläche vor dem Gebäude  ermöglicht eine Vorfahrt für Taxis und Busse. Der allgemeine PKW Parkplatz wird im Nordosten des Gebäudes verortet.Der Haupteingang des neuen Gebäudekomplexes wird von Südwesten zu ebener Erde erschlossen. Von hier hat man direkten Zugang zum großzügigen Foyer welches sich über alle Niveaus erstreckt und unterschiedlichste Aufenthaltsqualitäten bietet. Die Topografie des Außenraums wird so im Inneraum fortgeschrieben. Zugleich dient das Foyer der barrierefreien Erschließung aller Bereichen, auch der vorhandenen Bebauung. Ein weiterer Zugang zum Foyer im oberen Geschoss sowie der Mitarbeitereingang werden von Norden mit direkter Anbindung an die Parkplätze ermöglicht. Auch hier wurde viel Wert auf Blickbezüge zur Schlei gelegt.

Topografische Nutzung Bühnen Plätze Kommunikationsräume

Der vorhandenen Topografie folgend wird die Idee auf verschiedenen Niveaus im Außen- und innernaum unterschiedlichste Szenerien für Aufenthalt, Kunst und Kultur zu schaffen verfolgt. Rings um das Gebäude sowie im Foyer ergeben sich dadurch eine Vielzahl von Möglichkeiten die Räume zu bespielen. Auf diese Weise wird der Anforderung Bezüge zur Umgebung herzustellen und die Landschaft als Kulisse nutzbar zu machen nachgekommen. 

Materialität, Bauweise, Kosteneffizienz

Das Gebäude wird in einer Leimholzbinderkonstruktion erstellt. Die thermische Hülle bildet eine mit Dämmspritzputz versehenden monolithischen Ziegelfassade. Diese Konstruktion stellt eine einfache und wirtschaftliche Lösung dar die auch statisch auf den vorhandenen Bestandsmauern abbildbar ist. Um die Tragfähigkeit der vorhandenen Decke zu verbessern soll eine weitere Decke in Aufbeton erstellt werden. Die thermische Ertüchtigung des Bestands soll je nach Notwendigkeit unter Berücksichtigung des gestalterischen Leitbildes der monolithischen Putzfassade umgesetzt werden.Die Wahl der Fassade ermöglicht zuletzt auch eine einfache Anwendung und Sanierung der Bestandsgebäude, sodass langfristig eine einheitliche, kostengünstige Gestaltung des Gebäudekomplexes realisiert werden kann.

Energieversorgung

Die haustechnischen Zentralen befinden sich im nördlichen Teil des neuen Saalgebäudes. Die Heizungszentrale und der Haustechnikraum liegen in unmittelbarer Nähe zueinander im Untergeschoss. Die Lüftung befindet sich oberhalb der Nebenbühne unter dem Dach. Im Zuge der weiteren Entwurfsplanung bieten die großzügigen Dachflächen ausreichen Platz für ein regeneratives Energiekonzept aus Photovoltaik und Solarthermie in Verbindung mit einem Eisspeicher oder einer Luftwärmepumpe. Die Verwendung des Eisspeichers würde sich besonders anbieten da hierüber auch eine Kühlung im Sommer erfolgen kann. Vor Überhitzung schützt auch die Lamellenfassade und ein außenliegender Sonnenschutz des Saalfensters.

Akustik

Durch die sichtbaren Leimholzbinder wirkt der Saal besonders strukturiert und es ergeben sich viele Möglichkeiten für unterschiedliche Nutzungsvarianten zwischen den Holzbindern Schallschutzmaßnahmen zu ergreifen. Diese können von der Decke abgependelt werden. Zudem wir in der Decke trotz Verwendung von Holzbaustoffen großen Wert auf Baustoffe mit hohem Eigengewicht gelegt um auch einen guten äußeren Schallschutz zu gewährleisten. Die Außenwände werden mit Spritzputz profiliert um eine möglichst ungerichtete Schallreflexion zu gewährleisten. Weiterhin ist hier die Möglichkeit für andere Zuschlagstoffe gegeben um die Oberflächenstruktur des Putzes optimal anzupassen.